Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit

Das Kollegium der Kirchenmusiker:innen im Erzbistum Paderborn trauert um die Inhaberin der Leuchtturmkirchenmusikstelle an St. Katharina, Unna - Angelika Hillebrand (1967-2020) - vielmehr aber um eine geschätzte Kollegin und unermüdliche Multiplikatorin vor Ort.

Kowalski, ihr Geburtsname, gibt einen Hinweis auf ihre Heimatstadt Dortmund, wo sie auch studierte und 1996 ein „sehr gutes“ A-Examen ablegte. Während des Studiums war sie einige Jahre in St. Clara, Dortmund Hörde, tätig und danach an der St. Marien-Wallfahrtskirche, Bochum-Stiepel, die sie nach dem B-Examen auch hauptamtlich anstellte. Ende der 1990er Jahre zog sie familiengründend nach Bayern, wo sie nach einer kirchenmusikalischen Pause von 2011 bis 2015 an St. Nikolaus, Grüntegernbach und Buchbach, wirkte - und einen Orgelneubau anstieß und begleitete. Ähnlich wie sie, 2016 zurückgekehrt ins Ruhrgebiet, das Auxiliarwerk der großen Stockmann Orgel St. Katharinas plante und das Instrument so wieder adäquat spielbar machte.

Die sommerlichen Orgelkonzertreihen, die Angelika Hillebrand dort genauso wie die kammermusikalischen Serenaden bei Kerzenschein veranstaltete, lebten von ihrem hochmotivierten Engagement für die Kirchenmusik an sich. Neben dieser Sparte musikalischer Exzellenz mit vielen renommierten auswärtigen und benachbarten Musiker:innen, lebte Angelika ihr Engagement im breiten Gruppenspektrum unseres Berufes und war so in Kindergärten und Schulklassen genauso präsent, wie in den Altenheimen und Krankenhauskapellen; belebte die Kirchenchöre katholischer Provenienz neu und nachhaltig, kooperierte mit der evangelischen Schwestergemeinde der Innenstadt, gründete einen Frauenkammerchor, zog in Kinder- und Jugendchor Nachwuchs heran und hatte sofort einige Orgelschüler, die mittlerweile im C-Kurs sind. Rückblickend wirkt die Fülle ihres zweijährigen Arbeitens wie ein Wettlauf.

Privat hatte Angelika vor über 20 Jahren das Querflötenspiel erlernt und war zu einer, professionellen Flötisten ebenbürtigen, Musikerin auch in diesem Bereich geworden. Außerdem hatte sie passend zu ihrer Studienzeit der späten 1980er und 1990er Jahre die Liebe zur historischen Aufführungspraxis entdeckt, nannte ein einmanualiges Cembalo-Meisterstück von 1982 ihr eigen sowie einen modernen französischen, zweimanualigen Nachbau, der neben dem Flügel im Wohnzimmer in Bönen prangte. Ein richtiger Musikerhaushalt eben; wo das Hobby zum Beruf wird und die Leidenschaft für die Kunst immer weitere Wege findet. So nahm sie, solange es gesundheitlich ging, auch an Meisterkursen teil, um sowohl das historisch informierte Orgelspiel als auch Improvisation zu perfektionieren.

Seit ihrer Krebsdiagnose vor knapp zwei Jahren gehörte Bachs Kantatenschaffen noch mehr als sonst zu ihrem täglichen Musikerleben. So trägt auch die Traueranzeige ein Psalmzitat aus der Kantate „Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit“: In deine Hände befehle ich meinen Geist. Du hast mich erlöst, Herr, Du treuer Gott. (Ps 31,6)
Der lateinische Name dieses Werks fasst die Gefühle und Gedanken Vieler zusammen, denen Angelika eine liebe Freundin geworden war, eine integre Mitarbeiterin und unermüdliche Musikerin: Actus tragicus!

Simon Daubhäußer