Philipp Rüfer: Sonate g-moll op. 16

Philipp Rüfer
Sonate g-moll op. 16
Sonat-Verlag (SOV 5.392.000)

Der Komponist Philipp Rüfer (1844 - 1919) wurde ich Lüttich geboren und wirkte ab 1871 bis zu seinem Tod als Lehrer für Komposition und Klavier in Berlin. Seine Orgelsonate g-moll komponierte Rüfer im Jahr 1873.

Das große dreisätzige Werk zeigt deutliche Einflüsse der Sonaten von Mendelssohn und Rheinberger. Der erste Satz (Allegro con brio) ähnelt in vielen Punkten dem ersten Satz der f-moll Sonate von Mendelssohn: z. B. die Verknüpfung von choralartigen Abschnitten mit freien Überleitungen und z. T. sehr ausgiebigen Pedalläufen, wie sie auch bei Mendelssohn in der Sonate zu finden sind. „Andante con moto“ betitelt ist der zweite Satz, komponiert in ABA‘. Im wiegenden 6/8tel-Takt, erinnert auch dieser Satz in einigen Punkten an Mendelssohns Orgelsonaten: so z. B. der B-Teil, der mit seinen durchgehenden 8teln Ketten im Pedal, über denen eine Art Choral (man meint den Choral „Jesu meine Freude“ in Anklängen zu hören) deutlich an die zweite Variation der „Vater unser“ Sonate von Mendelssohn anknüpft. Sportlich ist die Fußarbeit, die ohne Unterbrechung gut über drei Notenseiten verläuft! Der dritte Satz (Allegro maestoso) zeigt Parallelen zum ersten Satz der Vierten Sonate von Mendelssohn, vor allem in Bezug auf den stetigen Wechsel zwischen „wellenartigen“ Figuren und einem punktierten Rhythmus. Für Organisten, die die Mendelssohn Sonaten studiert haben, ist dieses Werk eine willkommene Repertoireerweiterung. Etwas höher liegt bei Rüfer allerdings der Schwierigkeitsgrad, und auch die Aufführungsdauer ist länger als bei den Mendelssohn- Sonaten.

Sebastian Freitag