„Buxtehude-Studien“

Matthias Schneider
Jürgen Heering (Hrsg.)
im Auftrag der Internationalen
Dieterich-Buxtehude-Gesellschaft
„Buxtehude-Studien“ Bd.1 (2015)
Bonn 2015
Dr. J. Butz Musikverlag
164 S. mit Abb. und Notenbeispielen
Ver.-Nr. BuB 18
ISBN 978-3-928412-18-6
23,00 Euro

Der Band enthält drei Beiträge zur Jahrestagung 2011 der Internationalen Dieterich-Buxtehude-Gesellschaft in Lübeck, zwei Beiträge einer Buxtehude-Konferenz 2007 in Den Haag und vier kleinere Beiträge bis 2014.

Der Artikel aus 2007 von Christoph Wolff beschäftigt sich neben dem „stylus phantasticus“ insbesondere mit dem Thema „Passagio und Finale“ und zeigt die Elemente des Passagio an 27 Beispielen und die des „Finale“ an 29 Beispielen auf. Er weist den Einfluss dieser Strukturelemente auf die frühen Kompositionen des jungen J.S. Bach (Praeludien, Fugen, Toccaten) nach.

Albert Clement sieht in seinem Artikel von 2007 Buxtehude als schöpferische Vaterfigur für Bach. Er beschreibt unter der Überschrift „Eine geniale Vaterfigur für Bach: Buxtehude und seine Choralfantasie Nun freut euch, liebe Christen gmein“ die Kontakte Bachs, die dieser als Zwanzigjähriger auf der in Fußmärschen unternommenen Reise nach Lübeck gehabt hat. Insbesondere geht es auch um die Aufmerksamkeit, die Bach den Texten von Liedvorlagen zu Orgelbearbeitungen widmete.

In den drei Beiträgen von 2011 setzt sich Ton Koopmann überwiegend mit der Verzierungspraxis in der norddeutschen Orgelmusik im 17. Und 18. Jahrhundert und den unterschiedlichen Entscheidungen der Kopisten zu diesem Thema auseinander. Fazit: Eine „Urtextausgabe“ kann es für Buxtehude so nicht geben. Der Interpret muss sich für eine der gutüberlieferten und werkgetreuen Kopien entscheiden.

Matthias Schneider diskutiert in seinem Essay „Raum-Klang – Klang-Räume / Beobachtungen an Buxtehudes Orgelmusik“ vor allem das Element der Pause und beschreibt darin, wie sich diese Zäsur von rhythmisch unbestimmter Länge in der Reaktion von Interpreten auf die Raumakustik unterschiedlich großer Räume auswirken kann und muss.

Ulf Wellner berichtet von einer Veranstaltung in der Lübecker Jakobikirche mit ihren verschiedenen historischen Orgeln. Sein Hauptaugenmerk richtet er dabei auf Titelholzschnitte in den Werken des Michael Praetorius Creutzburgensis, die sehr viele musikalische und theologische, immer aber geistreiche Textzugaben enthalten.

In den kleineren Beiträgen beschreibt Hans Fagius „Dietrich Buxtehude und seine schwedischen Verbindungen“. Arndt Schnoor und Konrad Dittrich schreiben über das Orgelsymposium an St. Marien Lübeck im Mai 2014 und Matthias Schneider gibt einen Überblick über das Buxtehude Schrifttum von 2005 bis 2014 mit der stattlichen Zahl von insgesamt 170 Titeln.

Alles in Allem bietet der Band „Buxtehude-Studien“ jedem stilgeschichtlich interessierten Organisten eine spannende Lektüre.

Harald Gokus