Der Kammerchor Weidenau und Gäste feierten das 50-jährige Bestehen mit Puccinis Messa di Gloria in St. Joseph

Zum runden Jubiläum des längst über die Region hinaus bekannten Kammerchores Weidenau, im Januar 1968 von Franz-Josef Breuer als Dekanatskantorei einst ins seitdem ereignisreiche Musikleben gerufen, waren alle gekommen: Siegens Bürgermeister Steffen Mues ebenso wie Vertreter aus Kreispolitik und Kultur, dem Chor langjährig treu gebliebene Förderer und Sponsoren, Repräsentanten der Kirchengemeinden, des Dekanates, kurz: Freundinnen und Freunde des Chores und damit auch der Musikkultur der Region.

In dem von Tanja Wagener, Pressesprecherin und Vorsitzende des Förderkreises Kirchenmusik in St. Joseph, erstellten Festprogramm, das auch eine kleine Chronik des Chores ist, konnte man sich über das vielfältige Veranstaltungsportfolio, das breite und anspruchsvolle Repertoire der Chorgemeinschaft unterrichten lassen. Grußworte von Erzbischof Hans-Josef Becker aus Paderborn, Siegens Bürgermeister Steffen Mues und Dechant Pfarrer Karl-Hans Köhle strichen darin die Bedeutung des Chores und das gottgefällige Erlebnis der gemeinsam singenden Chorgemeinde heraus, der ehemalige Chorleiter Breuer und die amtierende Chorleiterin Helga Maria Lange skizzierten die Vereinsgeschichte - es bleibt also über den Konzertabend hinaus ein lesenswertes Programm.

Unter dem plastischen, energischen und stimulierenden Dirigat Helga Maria Langes eröffnete eine fröhliche Interpretation des „Te Deum", KV 141 für Chor und Orchester des wohl zum Kompositionszeitpunkt 17-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart das Festprogramm, bevor ein opulentes „Salve Regina" für Tenor und Orgel von Giacomo Puccini thematisch, stilistisch und einfühlsam klug zum Höhepunkt des Konzerts überleitete, zur musikalisch breit aufgestellten, fast opernhaften „Messa di Gloria" von Puccini für Chor, Tenor- und Baritonsolo und Orchester. Puccini hat das geistliche Oratorium in den letzten beiden Jahren seines Musikstudiums am Musikinstitut Giovanni Pacini in Lucca geschrieben, bevor er dann, mit einem Stipendium versehen, in Mailand weiter studieren konnte. Das fulminante Stück geistlicher Musik entstammt also der Feder eines anfang 20-Jährigen, mithin ein klanggewordenes Postulat juvenilen Selbstbewusstseins, gepaart mit familiär-traditioneller katholischer Frömmigkeit, jener patriarchalischen Demut, die dem italienischen Machismo eigen ist. Und das Credo aus dem kompletten Messordinarium hat der junge Giacomo 1878 zuerst geschrieben, als eigenständiges vertontes Glaubensbekenntnis, um das er dann bis zur Uraufführung im Juli 1880 eine ganze strahlend schöne Messe gedrechselt hat. Die mit imposanten Choreinsätzen, lyrisch zarten Männerstimmen-Arien und filigraner, vielschichtiger melodiöser Musikalität verzaubert. Oder betört, denn es galt und gilt ja, den liturgischen Text glaubwürdig und werbend in die Gemeinde zu tragen.

Das ist dem Kammerchor Weidenau, der sich für das Mammutprojekt mit einigen Gastsängerinnen und -sängern verstärkt hatte, bravourös gelungen. Das homogene Klangbild verdankte sich aber auch dem kongenialen Einsatz der Camerata Instrumentale mit Konzertmeisterin Annette Pankratz, das seit vielen Jahren immer wieder eng mit dem Kammerchor zusammenarbeitet: Man kennt und schätzt sich und kann sich aufeinander verlassen. Und das hörte man.

Mit dem australischen Bariton James Martin und dem Berliner Tenor Michael Zabanoff hatte sich der Kammerchor zwei blendend passende Belcanto-Stimmen für die italienische Mess-Oper ins Ensemble geholt. Die starken Stimmen mit dem für Musikinterpretationen des Verismo, des Klangstils des ausgehenden 19. Jahrhunderts, also der klassischen Opernepoche von Verdi und Puccini, typischen Vibrato und Timbre, harmonierten prächtig, namentlich im Duett, und schmetterten ein so volltönendes Forte in die hohe Hallenkirche, dass Gänsehautmomente erzeugt wurden.

Schön auch das Tenorsolo mit St.-Joseph-Orgel, die Dieter Moers spielte: eine heilige Arie. Nach der gloriosen Messa erklang zum Abschluss eine extra für die Veranstaltung von Helga Maria Lange arrangierte Version der Vertonung des 117. Psalms von Henri Nibelle (1886-1967) mit ins Deutsche übersetztem Text für Chor, Orchester und Orgel, und nach nicht enden wollendem, stehendem Applaus wurde das feine Konzert mit einer Zugabe versüßt: Die rund 40 Sängerinnen und Sänger und die Camerata Instrumentale ließen noch einmal das fröhliche, helle Gloria aus Puccinis Feder erklingen, bevor zu Recht und mit herzlicher Fröhlichkeit im benachbarten Gemeindehaus mit einem Umtrunk angestoßen wurde - auf den Chor, die Musik, und weitere erfolgreiche Konzerte.

Olaf Neopan Schwanke