Johann Rosenmüller

Johann Rosenmüller wurde wahrscheinlich am 24. August 1617 in oder bei Oelsnitz im Vogtland geboren. Das Geburtsdatum lässt sich nur indirekt aus einer am 24.8.1652 zu Rosenmüllers Ehren in Leipzig aufgeführten Festmusik ableiten. Seine erste musikalische Ausbildung wird Rosenmüller an der Lateinschule in Oelsnitz erhalten haben.

1640 begann er ein Studium an der Leipziger Universität und ist ab 1642 als Hilfslehrer an der Thomasschule nachweisbar. Um 1645/1646 reiste er nach Italien, wo er wichtige musikalische Anregungen erhielt. Heinrich Schütz muss Rosenmüllers musikalische Begabung hoch geschätzt haben, steuerte er doch ein Gedicht für Rosenmüllers Musikdruck von 1645 bei, übertrug ihm den Vertrieb seiner Sammlung Symphoniarum sacrarum secunda pars von 1647 und stellte ihm für den Druck Andere Kernsprüche sein privates Papier zur Verfügung.

Ab 1650 wirkte Rosenmüller als Baccalaureus funerum an der Thomasschule und seit 1651 auch als Organist an der Nikolaikirche, wo Gottfried Wilhelm Leibniz, der zu dieser Zeit Schüler der Nikolaischule gewesen war, unter Rosenmüllers Leitung im Schulchor gesungen haben dürfte. Die Erkrankung des Thomaskantors Tobias Michael führt dazu, dass Rosenmüller regelmäßig dessen Amtspflichten übernehmen musste. Am 19.3.1653 sicherte der Rat der Stadt Leipzig Rosenmüller die Amtsnachfolge Tobias Michaels noch zu dessen Lebzeiten zu, am 19.12.1653 wurde Rosenmüller diese Zusage schriftlich bestätigt.

Sein steigender Bekanntheitsgrad führte 1654 zur Ernennung als Kapellmeister von Haus aus in Altenburg, zum Kompositionsauftrag für die Einweihungsmusik der renovierten Stadtkirche in Borna und zur Einladung um die Bewerbung um das Dresdner Kreuzkantorat, die er allerdings ablehnte. Seine Karriere fand ein plötzliches Ende, als er im Mai 1655 der Unzucht mit Thomasschülern beschuldigt wurde, weshalb er kurz vor Beginn der offiziellen Untersuchung aus Leipzig floh.

Er begab sich, angeblich über Hamburg, nach Venedig, wo er aber erst ab Anfang 1658 als Posaunist an San Marco nachweisbar ist. 1658–1677 und erneut 1678–1682 arbeitete er als »maestro di coro« am Ospedale della Pieta. Nur sehr wenige weitere Angaben über sein Wirken in Venedig sind bekannt. 1660 ließ Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar (1598-1662) in Venedig Werke Rosenmüllers für die Weimarer Hofkapelle erwerben. Johann Philipp Krieger nahm auf seiner Italienreise 1673/1674 bei Rosenmüller Unterricht und die große Zahl von Werken Rosenmüllers im Ansbacher Inventar von 1686 deutet darauf hin, dass der dortige Kapellmeister Johnann Wolfgang Franck, der ab 1668 ebenfalls in Italien weilte, Rosenmüller kannte, vielleicht sogar sein Schüler war.

Die British Library in London verwahrt heute eine umfangreiche Sammlung mit Werken Rosenmüllers, die vermutlich mit George I. von Hannover nach London gekommen sind und die wahrscheinlich in der ehemaligen Hofkapelle im Leineschloss erklungen sind. Herzog Anton Ulrich von Braunschweig- Wolfenbüttel (1633–1714), dem Rosenmüller 1682 seine zweite Sonatensammlung widmete, wird Rosenmüller ebenfalls auf einer seiner Venedigreisen kennen gelernt haben. Im Jahr 1682 gelang es dem Herzog Rosenmüller als Hofkapellmeister nach Wolfenbüttel zu verpflichten. Rosenmüller verblieben aber nur knapp zwei Jahre in Wolfenbüttel, da er schon Anfang September des Jahres 1684 verstarb und am 12.9. beerdigt wurde. Sein Grabstein befindet sich noch heute in der Johanneskirche zu Wolfenbüttel.

Unter den zahlreichen Kompositionen Rosenmüllers bilden die lateinischen Kompositionen seiner venezianischen Zeit die größte Gruppe. Diese Werke waren Ende des 17. Jahrhunderts in ganz Deutschland verbreitet und genossen noch lange nach Rosenmüllers Tod hohes Ansehen. Georg Philipp Telemann erinnert sich in seiner Autobiographie von 1740, in der er seine Zeit als Schüler am Hildesheimer Gymnasium (1697-1701) beschreibt: “Die Sätze von Steffani und Rosenmüller, von Corelli und Caldara erwählte ich mir hier zu Mustern, um meine künfftige Kirchen - und Instrumental - Music darnach darnach einzurichten, in welchen beiden Gattungen denn kein Tag ohne Linie vorbey ging. Die zwo benachbarten Capellen, zu Hanover und Braunschweig, die ich bey besonderen Festen, bey allen Messen, und sonst mehrmahls besuchte, gaben mir Gelegenheit, dort die frantzösische Schreibart, und hier die theatralische; bey beiden aber überhaupt die italiänische näher kennen, und unterscheiden zu lernen.”

Dass Rosenmüller von Telemann so selbstverständlich mit den bedeutendsten italienischen Komponisten dieser Zeit genannt wird zeigt, wie vollkommen er die italienische Schreibweise übernommen hat und welche Bedeutung sein Werk auch nach seinem Tod noch hatte. Unüberhörbar ist in Rosenmüllers lateinischen Kirchenkompositionen der Einfluss Francesco Cavallis (1602–1676), der nach Claudio Monteverdis Tod zum führenden Komponisten Venedigs aufgestiegen war und dessen Opernstil Rosenmüller auf seine eigenen kirchenmusikalischen Werke übertragen hat. Da zumindest ein Teil dieser Kompositionen Rosenmüllers für ein deutsches Publikum bestimmt war, verwendete er Stilmittel, die für die venezianische Musikpraxis seiner Zeit eher untypisch waren. So besetzte er in vielen Werken Zinken und Posaunen, die in venezianischen Kompositionen dieser Zeit sonst nicht verwendet wurden, und kombinierte mehrchörige Dispositionen mit großflächig angelegten, kontrapunktisch gearbeiteten Abschnitten.